Rürup Rente

Die Rürup Rente – der Versicherungsschutz für alle Selbstständigen

„Die Renten sind sicher“ – dieser Satz des früheren Bundesministers Norbert Blüm ist heute so etwas wie ein „Running-Gag“, ein Witz, den man sich gerne und bei jeder sich bietenden Gelegenheit erzählt. Mittlerweile weiß jeder, dass die Renten alles andere als sicher sind und dass jeder, der im Alter nicht von der Fürsorge des Sozialamtes abhängig sein möchte, auf privatem Sektor vorsorgen muss. Während alle Angestellten die Riester-Rente für die private Rente nutzen können, gibt es für alle, die selbstständig oder freiberuflich arbeiten, die Rürup Rente.

Die Rürup Rente ist nicht unumstritten und sie lohnt sich auch nicht für jeden, aber sie bietet einige Vorteile, von denen Selbstständige profitieren können. Was macht die Rürup Rente so attraktiv und gibt es eventuell auch Nachteile, auf die man achten sollte?

Die Förderhöhe der Rürup Rente

Die Rürup Rente hat einige Vorteile und dazu gehört auch die Höhe der Beitragszahlungen, die gefördert werden. Einzahlungen von bis zu 23.362 Euro im Jahr können steuerlich geltend gemacht werden und 84 % dieser Summe lassen sich absetzen. Wer alleine lebt, der kann damit 19.624 Euro steuerlich nutzen, bei einem Ehepaar sind es 39.248 Euro. Je mehr verdient wird, umso höher fallen auch die Steuerentlastung und die Rürup Rente als Altersvorsorge aus. Wer gut verdient, der kann auf diese Weise bis zu 7000 Euro in einem Jahr sparen, wer als Ehepaar einzahlt, der spart das Doppelte.

Gemessen an den Summen der Rürup Rente nimmt sich die Riester-Rente bescheiden aus. Bei Riester sind es gerade einmal 2100 Euro im Jahr, die steuerlich absetzbar sind. Was man in diesem Zusammenhang aber nicht übersehen darf, ist, dass alle diejenigen, die „riestern“, den vollen Betrag von der Steuer absetzen können und nicht nur 84 %, wie das bei der Rürup Rente der Fall ist.

Gibt es für die Rürup Rente staatliche Zuschüsse?

Anders als bei der Riester-Rente gibt es für die Rürup Rente keine staatlichen Zuschüsse, diese Rente orientiert sich nur an den Steuervorteilen. Zuschüsse vonseiten des Staates gibt es bei der Rürup Rente nicht. Das bedeutet für alle, die zwar selbstständig oder freiberuflich arbeiten, aber nur wenig verdienen, dass sich diese Rente nicht lohnt.

Kaum Flexibilität

Ein weiterer Nachteil, der aber nachvollziehbar, ist, dass die Rürup Rente wie die gesetzliche Rente auch, nicht vor Ablauf der Vertragszeit genutzt werden kann. Sie soll schließlich dem Lebensunterhalt im Alter dienen und sonst nichts, was auch heißt, sie kann nicht wie eine Lebensversicherung beliehen werden. Es ist außerdem nicht möglich, die Rürup Rente zum Beispiel in die Immobilienfinanzierung mit einzubauen, was bei einer Riester-Rente kein Problem ist. Die Rürup Rente bleibt auch im Alter unflexibel, denn sie wird nur als eine laufende Rente ausbezahlt. Während man sich bei der Riester-Rente im Alter 30 % der Rente als gespartes Kapital als Einmalzahlung auszahlen lassen kann, ist das bei der Rürup Rente nicht möglich.

Den Beginn der Rürup Rente selbst bestimmen

Selbst wenn die Rürup Rente erst im Alter ausgezahlt werden kann, das Rentenalter bestimmt jeder selbst, was ein weiterer Vorteil der Rente ist. Bei allen Verträgen, die nach 2012 abgeschlossen werden, kann das Rentenalter mit 62 Jahren beginnen, für ältere Verträge gilt das Rentenalter ab 65 Jahre. Viele Selbstständige und Freiberufler wollen aber nicht mit 62 oder 65 in Rente gehen, sie wollen vielleicht mit 70 oder 75 noch immer arbeiten. Wer einen Vertrag für eine Rürup Rente abschließt, der sollte seinen Renteneintritt festlegen, aber immer daran denken, dass das Alter auch mit gesundheitlichen Problemen begleitet wird. Daher ist es immer sinnvoll, einen flexiblen Eintritt ins Rentenalter zu vereinbaren.

Keine gleichbleibenden Prämien

Auch wenn die Rürup Rente in vielen Bereichen unflexibel ist, wenn es um die Einzahlungen geht, dann kann sie mit einer großen Flexibilität punkten. Es ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, in welcher Höhe die Prämien eingezahlt werden müssen und auch Sonderzahlungen sind jederzeit möglich. Wichtig ist allerdings, dass die Rürup-Sparer stets darauf achten, dass der Vertrag, der von ihnen gewählt wurde, auch Sonderzahlungen und beliebige Änderungen bei den Einzahlungsraten anbietet.

Sicher vor Pfändung und Hartz IV

Die Angst vor der Pleite ist der ständige Begleiter von vielen, die selbstständig sind, aber sie haben nicht nur Angst vor dem Konkurs, sie haben auch Angst, dass sie dann ihre Altersvorsorge verlieren. Auf die Kapitallebensversicherung und auch auf andere private Rentenversicherungen haben die Gläubiger Zugriff, aber nicht auf die Rente nach Rürup. Während der Einzahlungsphase ist diese Rente sicher, allerdings gilt das nicht für den Ruhestand, denn wenn der Rürup-Sparer in Rente geht, dann können die Auszahlungen gepfändet werden, geschützt sind nur die Auszahlungen, die die Pfändungsfreigrenze nicht überschreiten.

Auch wer gut verdient, kann einmal Pech haben und finanziell abstürzen. Im schlimmsten Fall kann das Hartz IV bedeuten, denn auch Selbstständigkeit schützt leider nicht vor Armut. In Deutschland stocken aktuell 130.000 Selbstständige ihr Einkommen mit Hartz-IV-Leistungen auf, weil sie von dem, was sie verdienen, nicht leben können. Normalerweise greift der Staat, bevor er Hartz IV zahlt, auf die Rücklagen zurück, wenn auch nur bis zu einer Freigrenze, aber diese Rücklagen müssen verbraucht werden, bis der Staat zahlt. Bei der Rente nach Rürup ist das anders, denn die steuerlich geförderten Einzahlungen für die Altersvorsorge sind vor dem Zugriff des Staates geschützt.

Müssen im Alter Steuern bezahlt werden?

Es ist schon fast eine Selbstverständlichkeit geworden, dass auch Rentner in Deutschland zur Kasse gebeten werden. Bei der Rente nach Rürup wie auch bei der gesetzlichen Rente gilt: Die Beträge werden steuerlich begünstigt, aber auf die Auszahlungen müssen Steuern bezahlt werden. Alle, die 2012 zum ersten Mal ihre Rente aus dem Rürup-Vertrag bekommen haben, mussten 70 % davon versteuern. Dieser Prozentsatz steigt nun mit jedem Rentenjahrgang immer weiter an, bis er dann im Jahre 2040 bei 100 % angekommen ist. Übrigens, die gleichen Regeln gelten auch für die gesetzliche Rente. Allerdings sollte sich davon niemand abschrecken lassen, denn die Einkünfte im Rentenalter sind in den meisten Fällen deutlich niedriger als noch im Erwerbsleben. Damit kann die Steuer auch nicht ganz so hart zuschlagen und es kann sogar passieren, dass gar keine Steuern bezahlt werden müssen.

Bild: © Depositphotos.com / racorn

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