Was tun, wenn die private Krankenversicherung nicht zahlen will? » Versicherungen Finanzen

Versicherungen News > News > Krankenversicherung > Was tun, wenn die private Krankenversicherung nicht zahlen will?

Facharzttermine ohne Wartezeiten, der bessere Arzt und Zugang zu modernen Therapiemöglichkeiten – wer eine private Krankenversicherung hat, der darf sich wie ein König des Gesundheitssystems fühlen. Aber die Zeiten ändern sich und immer mehr private Krankenkassen lehnen Rezepte und Arztrechnungen ab, das gute Image der privaten Krankenversicherung bekommt merkliche Kratzer. Dazu kommt, dass die Beträge für die PKV seit Beginn diesen Jahres stark angestiegen sind, die Versicherten müssen zwischen acht und knapp 50 % mehr bezahlen.

Der Streit um die Leistungen

Die Erhöhung der Beiträge ärgert die Versicherten, aber noch mehr regen sie sich darüber auf, wenn die Arztrechnungen von der Kasse abgelehnt werden. Die privaten Krankenversicherungen erklären das mit Problemen bei den Ziffern der Gebührenordnung, die immer wieder unterschiedlich ausgelegt werden. Sie verweisen darauf, dass der Beschluss der Gebührenordnung eine Angelegenheit des Gesundheitsministeriums ist, aber ein grundsätzliches Problem gibt es angeblich nicht, höchstens einige Meinungsverschiedenheiten. Die Meinungsverschiedenheiten treten zum Beispiel dann auf, wenn der Chefarzt nach einer OP eine Rechnung von 900,- Euro verschickt, von denen die private Krankenversicherung nur 543,- Euro übernehmen will. Die Kasse verweist dann gerne an den Arzt, denn schließlich hat dieser einen Zuschlag auf die Rechnung geschrieben, die die private Krankenkasse nicht bezahlt.

Wie funktioniert eine private Krankenversicherung?

Alle, die privat krankenversichert sind, müssen praktisch in Vorkasse gehen, denn sie bezahlen die Arztrechnung selbst und bekommen dann im Anschluss die Summe von der Krankenversicherung zurückerstattet oder eben auch nicht. Dass die privaten Versicherer nicht mehr zahlen wollen, das kommt immer häufiger vor. Aber warum verweigern die Krankenkassen die Zahlungen, zu denen sie laut Vertrag eigentlich verpflichtet sind? Es gibt mehrere mögliche Gründe, wie zum Beispiel, dass eine Leistung von der Versicherungspolice nicht ausreichend gedeckt ist. Ein weiterer Grund, warum die Kasse nicht zahlt, könnte sein, wenn der Arzt eine falsche Ziffer der Gebührenordnung aufgeschrieben hat.

Was können die Versicherten tun?

Die private Krankenversicherung kennt anders als die gesetzliche Krankenversicherung keinen sogenannten Leistungskatalog. Die Versicherten müssen sich die Mühe machen und im Kleingedruckten ihres Vertrags nachlesen, ob eine bestimmte Leistung von der Kasse übernommen wird oder nicht. Wer sich nicht informiert, der kann Pech haben und letztendlich auf der Rechnung sitzen bleiben. Vorteilhaft ist allerdings, dass die Beträge, die der Versicherte selbst zahlt, von der Steuer abgesetzt werden können. Aber welche Möglichkeiten haben die Versicherten, wenn die private Krankenversicherung nicht bezahlen will?

Mit dem behandelnden Arzt sprechen

Wenn sich die private Krankenversicherung weigert, eine Rechnung zu bezahlen, dann hat der Arzt die Möglichkeit, die Rechnung neu zu formulieren oder eine umfangreiche Stellungnahme zu schreiben.

Alle unstrittigen Beträge erst einmal bezahlen lassen

In der Regel weist die Krankenkasse nicht die komplette Rechnung zurück. Der Versicherte sollte die Teilbeträge, die in Ordnung sind, sofort an den Arzt überweisen und gleichzeitig auf die strittigen Punkte hinweisen. So werden mögliche Mahngebühren vermieden.

Die Rechnung online überprüfen

Der Verband der privaten Krankenkassen bietet die Möglichkeit, die Rechnung des Arztes online zu überprüfen. Auf diese Weise kann festgestellt werden, ob die richtigen Ziffern kombiniert wurden. Zudem kann der Versicherte sehen, ob der Arzt die Leistungen richtig aufgeführt hat.

Den Ombudsmann der Krankenkasse kontaktieren

Wenn weder mit dem Arzt oder mit der Krankenkasse eine Einigung erzielt werden kann, dann bleibt noch der Weg zum Ombudsmann der privaten Versicherungen. Der Ombudsmann nimmt die Beschwerden der Versicherten auf dem Online-Weg entgegen und überprüft dann, ob die Kasse die Rechnung bezahlen muss. Da das Angebot kostenlos ist, nehmen viele Versicherte das Angebot gerne in Anspruch.

Gegen die Kasse Klage einreichen

Kann der Ombudsmann nichts ausrichten, dann bleibt nur der Weg zum Zivilgericht, aber Vorsicht, ein Prozess mit medizinischen Gutachten kann sehr teuer werden.

Bild: © Depositphotos.com / lisafx

Das könnte Sie auch interessieren.

Ähnliche News:

Werden die Tarife der PKV verdoppelt? Wenn es nach Karl Lauterbach, dem Gesundheitsexperten der SPD geht, dann müssen sich alle, die privat krankenversichert sind, auf drastische Gebührenerhöhungen einstellen. In zehn Jahren, so Lauterbach, werden sich die Beiträge für die PKV verdoppelt haben, nur bei den Beamten werden die Beitragserhöhung deutlich moderater ausfallen. Lauterbach rechnet damit, dass sich die durchschnittlichen Anpassungen der Beiträge um fünf bis sieben Prozent nach oben verschieben werden. Nicht mehr reformierbar Karl Lauterbach rechnet jedoch nicht nur mit einer Erhöhung der Beiträge für die private Kran...
SPD warnt vor zu hohen Krankenkassenbeiträgen Nur Wahlkampfgetöse oder berechtigte Sorge? Die SPD warnt vor einem wahren Beitragsschock bei der Krankenversicherung. Die Krankenkassen haben noch vor Kurzem wieder sehr gute Zahlen vorgelegt und es gab eine Entwarnung für alle Beitragszahler. Die Frage jedoch ist, wie lange ist die finanzielle Lage noch so gut? Die SPD ist davon überzeugt, dass es nicht mehr lange dauert, bis es zu einem neuen, sehr starken Kostenschub kommen wird und die Beiträge wieder steigen werden. Die Ruhe vor dem Sturm? Die SPD warnt vor einer trügerischen Ruhe vor dem Sturm und sieht in der Zukunft die Beiträge...
Die BaFin warnt vor einer dubiosen Versicherung Sie hat zwar keine Erlaubnis dazu, aber das hindert die Deutsche Gesundheitskasse nicht daran, Krankenversicherungen anzubieten. Der BaFin passt das gar nicht und sie spricht eine Warnung aus, aber das wird die selbst ernannten Versicherer sehr wahrscheinlich wenig kümmern. Die BaFin warnt in einem aktuellen Rundschreiben vor der Deutschen Gesundheitskasse aus Dresden, kurz DeGeKa. Sie ähnelt, was die Schreibweise angeht, sehr stark der Debeka, dem Branchenführer, wenn es um die private Krankenversicherung geht. Aber im Gegensatz zur Debeka darf die DeGeKa keine Krankenversicherungen verkaufen...
Müssen Städter künftig mehr für ihre Krankenversicherung zahlen? Der Streit um die gesetzliche Krankenversicherung hält an. Es geht um die Finanzierung und Experten planen hier radikale Neuerungen. So sollen sich die Beiträge für die Krankenkassen sich in Zukunft an den Wohnorten orientieren. Wer in der Stadt wohnt, soll mehr zahlen als derjenige, der in einer ländlichen Region Deutschland zu Hause ist. Ein umstrittenes Gutachten Gesundheitsexperten haben ein Gutachten erstellt und es jetzt dem Bundesgesundheitsministerium vorgestellt. In diesem Gutachten ist unter anderem auch von einer „Zielgenauigkeit der Mittelvergabe“ die Rede, insgesamt ist von ...
Acht Aussagen über die PKV und welche tatsächlich stimmen Im kommenden Jahr erhöhen viele der privaten Krankenversicherungen ihre Prämien, teilweise um bis zu zehn Prozent. Millionen Deutsche, die privat versichert sind, haben von ihrer PKV Post bekommen, in der von drastischen Prämienerhöhungen die Rede ist. 27 Prozent aller Tarife sind zum Beispiel bei AXA betroffen und auf die Versicherten kommen hier Erhöhungen von bis zu 38 Prozent zu. Wer sich privat krankenversichern möchte, der sollte sich genau über die PKV informieren, denn es gibt einige Irrtümer und Aussagen über diese Form der Krankenversicherung. 1. Die Prämien der PKV sind niedriger a...
Von Ulrike (Insgesamt 202 News)

Ulrike ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: ulrike@versicherungen-blog.net

Kommentar für “Was tun, wenn die private Krankenversicherung nicht zahlen will?
  1. cw

    Die Erfahrung zeigt, dass Ärzte durchaus zu Gebühren Akrobatik neigen, einfach um zu sehen wie weit man Forderungen durchsetzen kann. Kommt es zur leistungsverweigerung des Versicherers ändern die meisten Ärzte ihre Rechnung. Man muss sich im Klaren sein, dass das Verhalten der Versicherer ein wesentlicher Bestandteil der Kostendämpfung ist und eine kritische Rechnungsprüfung durchaus im Interesse des Versicherten ist.

Kein Kommentieren mehr möglich.