Vergewaltigung oder Überfall auf Arbeitsweg kein Arbeitsunfall » Versicherungen Finanzen

Versicherungen News > News > Unfallversicherung > Vergewaltigung oder Überfall auf Arbeitsweg kein Arbeitsunfall

Grundsätzlich wird eine Vergewaltigung oder ein Überfall auf dem Arbeitsweg nicht als Arbeitsunfall anerkannt. Das geht aus zwei Urteilen des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel hervor.

In dem einen Fall ging eine Schulangestellte in Revision, deren Ex-Freund die Frau auf ihrem Heimweg von der Arbeit vor ihrem Haus vergewaltigt hatte. Diese hatte das BSG mit der Begründung zurückgewiesen, dass der Täter das Verbrechen vor allem aus persönlichen Gründen begangen hatte (Az.: B 2 U10/12 R). Der Anwalt der Frau argumentierte, dass es sich hierbei um einen Arbeitsunfall handeln müsse, weil der Täter die Frau nur auf dem Arbeitsweg hatte vergewaltigen können weil sie sonst nie alleine unterwegs gewesen sei. Dieser Argumentation folgten die Richter jedoch nicht, sondern verwiesen in ihrem Urteil auf die persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer, die für das Verbrechen prägend gewesen sei.

Weil die Tat nicht als Arbeitsunfall anerkannt wird, steht der Frau, die seitdem an psychischen Probleme leidet, nun keine Unfallrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung zu. Sie kann lediglich nach dem Opferentschädigungsgesetz eine Rente beantragen. Der Täter wurde derweil wegen schwerer Vergewaltigung zu einer 7-jährigen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Ebenfalls zurückgewiesen wurde die Revision eines Mannes, der auf dem Weg in sein Home-Office überfallen wurde (Az.: B 2 U7/12 R). Bei dem Überfall trat der Täter den Mann gegen den Kopf und stahl sein Auto. Auch in diesem Fall wollte das Opfer die Tat als Arbeitsunfall geltend machen, doch das sei in diesem Fall nicht möglich, so die Richter. Die Begründung: Der Mann befand sich auf dem Weg von einem Restaurant, welches er jedoch aus vorwiegend privaten Gründen aufgesucht hatte. Damit sei automatisch der „Schutzbereich der gesetzlichen Unfallversicherung verlassen“ worden.

 

Bleiben Sie immer aktuell mit unserer kostenlosen Handy-App!

Vergewaltigung oder Überfall auf Arbeitsweg kein Arbeitsunfall
Bitte Bewerten

Das könnte Sie auch interessieren.

Ähnliche News:

Urteil: Unfallversicherung auch für Begleitung zum Arzt Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel sind Personen, die pflegebedürftige Angehörige zu einem Arzttermin begleiten über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert (Az.: B 2 U 6/10 R). Im konkreten Fall ging es um eine Frau, die ihre pflegebedürftige Mutter zum Arzt begleitet hatte und die auf dem Rückweg bei einem Sturz der alten Fame auf der Treppe zur Wohnung mitgerissen wurde und sich dabei eine Fraktur des Knies zuzog. Die Unfallversicherung wollte die Behandlungskosten für die Tochter nicht übernehmen und begründete dies damit, dass der Unfall nicht in Ausübung e...
Unfallversicherung muss Selbstverstümmelung beweisen Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Schleswig-Holstein ist eine Unfallversicherung, die wegen des Verdachts auf Selbstverstümmelung die Leistung verweigert, dazu verpflichtet, dieses Verdacht durch Beweise zu erhärten (Az.: 16 U 134/10). Im konkreten Fall ging es um eine Frau, die für sich, ihren Lebensgefährten und ihren Sohn eine Unfallversicherung abgeschlossen hatte. Der Lebensgefährte schnitt sich nur wenige Tage nach Abschluss des Vertrages beim Brennholz-Schneiden mit einer Kreissäge den Daumen ab. Die Versicherung verweigerte die Zahlung der vertraglich vereinbarten Invalid...
Urteil: Mord ist kein Arbeitsunfall Es war ein kurioser Prozess, der vor dem Landessozialgericht in Baden-Württemberg gehalten wurde. Er endete mit dem Urteil, dass Mord nicht als Arbeitsunfall gewertet werden kann (Az.: L 2 U 5633/10). Im konkreten Fall ging es um eine Wirtin, deren 59-jähriger Mann von ihrem gemeinsamen Sohn (38) ermordet wurde. Zum Zeitpunkt der Tat befand sich der Mann auf der Rückfahrt vom Steuerberater, als er von seinem arbeitslosen Sohn aus dem Auto gelockt wurde, indem dieser eine Panne vortäuschte. Der Sohn schlug seinem Vater mehrmals mit einem Hammer auf den Kopf, übergoss ihn mit Benzin und zündete...
Arzneimitteleinnahme gefährdet Unfallversicherungsschutz Nach der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände beeinflussen fast 20% aller auf dem Markt erhältlichen Medikamente das Reaktionsvermögen, was vor allem im Straßenverkehr böse Folgen haben kann. So geht die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) davon aus, dass insgesamt jeder vierte Unfall direkt oder indirekt durch eingenommene Arzneimittel verursacht wird. Vor allem bei Selbstmedikation wird kaum an die Gefahr der Überdosierung oder der möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gedacht. Auch ist vielen Menschen nicht bewusst, dass auch zahlrei...
Unfallversicherung zahlt nicht bei Herzinfarkt Wie aus einem Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Nürnberg hervorgeht, muss eine private Unfallversicherung nicht zahlen, wenn ein Versicherter auf einem Tauchgang ertrinkt, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hat (Az.: 8 U 1906/10). Im konkreten Fall war ein Versicherter ertrunken, nachdem er regungslos auf den Grund eines Sees gesunken war. Ein Sachverständiger wurde eingeschaltet, um zu klären, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Der Versicherte wies zahlreiche Risikofaktoren für einen Herzinfarkt auf wie Übergewicht und einer Verengung der rechten Herzkrankschlagader. Deshalb konnte de...
Von Melanie (Insgesamt 1903 News)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Menschlich? Dann bitte rechnen. ;) *