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Die gesetzlichen Krankenversicherer (GKV) planen zukünftig stärkere Kontrollen für Zahnarzt-Rechnungen. Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands, erklärte, dass viele Versicherte über zu hohe Kosten klagen und dass man genau überprüfen müsse, „dass es nicht zu überhöhten Rechnungen kommt“.

Lanz betonte, dass man den Zahnärzten keineswegs Unregelmäßigkeiten oder gar Betrug unterstelle, aber wenn die Gesamtsumme der Rechnung auch den Krankenkassen bekannt sei, „würden die Zahnärzte sich zweinmal überlegen, ob in dem konkreten Fall wirklich eine höhere Rechnung angemessen ist“.

GKV-Vizevorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg bestätigte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, dass man „endlich Transparenz bei den Zahnarztrechnungen“ haben wolle und deshalb auch den Teil der Rechnungen kontrollieren wolle, den die Versicherten selbst tragen. Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverband hatte dies Ende März beschlossen. Bislang zahlen die Kassen immer nur den Festzuschuss, kennen aber nicht die tatsächliche Rechnung, d.h. sie wissen gar nicht, wie hoch der Anteil ist, den die Patienten selbst bezahlen müssen. Die Rechnungsprüfung müsse aber von den Kassen und nicht von dem Patienten übernommen werden, so Stackelberg.

Außerdem planen die Kassen ein neues Abrechnungssystem. Die rund 54.000 Zahnärzte in Deutschland rechnen bislang über die Gebührenordnung der privaten Versicherer ab, zukünftig soll es aber einen eigenen Preiskatalog für die Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten geben. Diese wären dann voraussichtlich deutlich niedriger als es bisher der Fall war.

Die Pläne der GKV stoßen sowohl bei den Zahnärzten als auch in der schwarz-gelben Koalition auf Kritik. So erklärte der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Jürgen Fedderwitz, dass die Krankenkassen mit ihrem Vorschlag nur „ihre Leistungsschwäche kompensieren“ wollten, „indem sie Behandlungen kontrollieren, die sie gar nicht bezahlen“. Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, ist der Meinung, dass es in dieser Frage definitiv keiner gesetzlichen Regelung bedarf, schreibt die „Rheinische Post“. Auf Anfrage der Zeitung erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, dass die Versicherten schon heute ihre Zahnarzt-Rechnungen von ihrer Krankenkasse überprüfen lassen können, so dass hier kein weiterer Regelungsbedarf bestehe.

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