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Kein anderes Anlageprodukt haben die Deutschen mehr geliebt als die Lebensversicherung. Heute ist diese einst so beliebte Vorsorge fürs Alter am Ende, aber wieso konnte es überhaupt so weit kommen? Es ist noch nicht allzu lange her, da hatte jeder in der Familie eine vermögensbildende Lebensversicherung. Sie galt als die sicherste und und die beste Empfehlung bei der privaten Altersvorsorge. Wenn in der Familie der Großvater und der Vater eine Lebensversicherung hatten, dann war klar, dass auch der Enkel diese Versicherung abschließt.

Kein Risiko bitte

Wenn es etwas gibt, was die Deutschen scheuen wie der Teufel das Weihwasser, dann ist es ein Risiko bei der privaten Geldanlage. Das ist einer der Gründe, warum eine kapitalbildende Lebensversicherung ein so großer Erfolg war und das über mehrere Jahrzehnte hinweg. Der freundliche Versicherungsvertreter (Hallo Herr Kaiser!) kam ins Haus und er versprach seinen Kunden eine ansehnliche Rendite. Die Aussicht auf eine gute Rendite und das Argument, eine Lebensversicherung ist viel sicherer als ein Aktienpaket, also ohne Risiko, überzeugten dann auf ganzer Linie. Hauptsache Rendite und kein Risiko, mehr wollten die meisten Menschen gar nicht hören, um den Vertrag zu unterschreiben. Bis heute ist die Lebensversicherung in den Köpfen der Menschen ein sehr wichtiger Baustein bei der privaten Altersvorsorge. Vor allem in Zeiten, in denen die gesetzliche Rente nicht mehr ausreicht, dient die Lebensversicherung als Sicherheitsleistung für Kredite und hilft dabei, zum Beispiel eine Immobilie zu finanzieren. Aber jetzt ist die einst so sichere Altersvorsorge in akuter Gefahr.

Was ist passiert?

Was ist mit den Lebensversicherungen passiert? Die viel gepriesenen Renditen lösen sich nach und nach in Luft auf, die meisten Versicherungen können sie einfach nicht mehr erwirtschaften. Die Kunden bekommen heute schon lange nicht mehr das, was ihnen die Versicherungen einst so vollmundig versprochen haben. Das ist ein sehr schwerer Schlag für alle, die ihre Lebensplanung und vor allem auch ihre Zeit im Ruhestand auf eine Lebensversicherung aufgebaut haben. Die Frage ist, warum sich die Krise um die Lebensversicherung und ihre Kunden ausgerechnet jetzt so dramatisch zuspitzt. Die Antwort ist recht einfach, denn jetzt kommen gleich mehrere Faktoren zusammen, von denen jeder für sich schon sehr gefährlich ist. In Kombination lassen sie sich aber kaum noch bewältigen.

Was im Einzelnen hat der Lebensversicherung das Genick gebrochen?

  • Ein wichtiges Datum war der 1. Januar 2005, als die steuerlichen Privilegien für die Kapitallebensversicherung weitgehend aufgehoben wurden. Alle Zahlungen aus Verträgen, die noch vor dem 31. Dezember 2004 abgeschlossen wurden, waren über Nacht steuerpflichtig geworden. Als sich diese Regelung herum gesprochen hatte, überrannten die Kunden die Versicherungen.
  • Sehr viele der damaligen Policen sind heute nach und nach fällig, was die Versicherungen enorm unter Druck setzt. Sie müssen Sparmaßnahmen ergreifen und viele Mitarbeiter entlassen, um überhaupt zahlungsfähig zu bleiben. Dieses Problem vergrößert sich in den kommenden Jahren noch, da die Policen der sogenannten Babyboomer-Generation erst noch in die Auszahlungsphase kommen.
  • Die anhaltend niedrigen Zinsen sind für die Versicherung ein riesiges Problem. Sie erzielen mittlerweile mit ihren Anlagen nur noch eine Rendite, die unter der Summe liegt, die sie an die Kunden auszahlen müssen.
  • Einige Versicherungen sind gezwungen, ihre Beteiligungen und ihre Wertpapiere, für es noch ein paar Zinsen gibt, zu veräußern, damit sie den aktuellen Bedarf an Kapital überhaupt decken können. Aber ohne die Zinserträge ist das Geschäft so gut wie tot.

Jeder dieser Faktoren ist ein echter Stresstest für die Versicherer. Wenn sie jedoch zusammen auftreten, dann steht selbst für die Risk Manager der Versicherungen fest, dass bei einigen der Crash nur noch eine Frage der Zeit ist.

Sind die Lebensversicherer selber schuld?

Die Lebensversicherer werden nicht müde, sich über die niedrigen Zinsen zu beklagen, die angeblich der Grund für die aktuelle Misere sind. Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank gerät dabei besonders heftig unter Beschuss. Seine zweifelhafte Nullzinspolitik hilft vielleicht dabei, die Insolvenzen von ganzen Staaten zu verhindern, aber das alles auf Kosten der Sparer. Das stimmt nicht so ganz, denn die niedrigen Zinsen sind ein sogenannter wirkmächtiger Faktor. Zudem haben die Versicherungen keine vernünftige Erklärung für die aktuelle Krise in der Branche. Unvorhergesehen trifft der Kollaps die Versicherungen nicht, denn sie haben nach Expertenmeinung selbst dazu beigetragen. So haben sie versäumt, in all den Jahren ein effizientes Management für ihre Kosten aufzustellen. Kamen Einnahmen ins Haus, wurden diese direkt wieder für extrem hohe Provisionen zum Fenster hinausgeworfen. Die bekannt gewordenen dubiosen Reisen eines Konzerns sind dabei nur die kleine Spitze eines Eisbergs.

Um die Kunden geht es nicht

Durch den immer größeren Druck, Versicherungen zu verkaufen, hatte vor allem die Qualität der Beratungsgespräche zu leiden. Das war ein grober Fehler, der nächste war es, die Digitalisierung zu verschlafen und sie nicht zu nutzen. Was vielleicht noch viel schlimmer ist, aus dem eigentlichen Prinzip einer Versicherung als Schutz- und Solidargemeinschaft ist eine Vertriebsmaschine geworden und die Kunden spielen keine Rolle mehr. Es geht auch beim Vertragsabschluss nicht um den Kunden, es geht immer nur um die Versicherung. In den vergangenen Jahren haben sich die Versicherungsgesellschaften immer mehr von den Erwartungen und den Bedürfnissen ihrer Kunden entfernt, die Versicherungen haben das Vertrauen zerstört und das führte letztendlich zu immer weniger neuen Abschlüssen. Damit ist die Lebensversicherung akut bedroht und mit ihr die Altersvorsorge für sehr viele Menschen.

Wann kommt der Crash?

Spätestens, wenn eine der großen oder mehrere kleine Gesellschaften nicht mehr zu retten sind, dann kippt das komplette System. In diesem Fall müssen dann alle Kunden leiden. Es ist heute nicht mehr die Frage, ob der Crash kommt, die Frage heißt vielmehr, wann er kommt. Wenn es so weit ist, dann trifft es zuerst die normalen Versicherungsnehmer, die am Ende der vertraglichen Laufzeit kaum noch das herausbekommen, was sie im Laufe vieler Jahre eingezahlt haben. Im schlimmsten Fall droht jedoch der totale Verlust aller Ersparnisse, was den direkten Weg in die Altersarmut bedeutet.

Fazit

Noch gibt es einen Ausweg, wenn die Versicherungen zusammen mit der Politik endlich die richtigen Schlüsse ziehen. Die ganze Branche muss dringend von Grund auf reformiert werden und die Versicherungen müssen damit anfangen, ihre Kunden wieder ernst zu nehmen.

Bild: @ depositphotos.com / Jirsak

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Von Ulrike (Insgesamt 200 News)

Ulrike ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: ulrike@versicherungen-blog.net

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